Herzlich willkommen bei der

Prostata Selbsthilfe Gruppe Landkreis Rastatt

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oder kontaktieren Sie die gebührenfreie Service-Rufnummer des

Bundesverbands der

Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) e.V.

0800–70 80 123

Die Berater sind zu erreichen dienstags, mittwochs und donnerstags
(außer an bundeseinheitlichen Feiertagen)
in der Zeit von 15 Uhr bis 18 Uhr

Prostata-Embolisation (PAE)

Prostata-Anatomie
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine akzessorische Geschlechtsdrüse des männlichen Geschlechtes und befindet sich im kleinen Becken direkt unterhalb des Blasenbodens und ummauert die Harnröhre. Von vorne wird die Prostata vom Schambein, von hinten von Mastdarm und von unten vom Beckenboden begrenzt.
Prostata-Funktion
Die Prostata ist eine Drüse mit Ausführungsgängen in die Harnröhre. Ca. 30 % der Samenflüssigkeit (Ejakulat) wird durch die Prostata produziert, die weiteren 70 % der Samenflüssigkeit fließt durch die Ausführungsgänge der Prostata in die Harnröhre während der Ejakulation. Die Prostata-Funktion wird über das Hormon Testosteron reguliert.
Was ist BPH?
Unter einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) bzw. gutartigen Vergrößerung der Prostata versteht man die Vermehrung ansonsten unauffälliger gutartiger Zellen. Es kommt hier zur Vergrößerung der Prostatadrüse sowie Anteilen des Zwischengewebes. Aufgrund der anatomischen Lage der durch die Mitte der Prostata verlaufenden Harnröhre kann es bei BPH zu Problemen beim Wasserlassen kommen. Die BPH ist die alte Bezeichnung, aktuell nennt man dieses Krankheitsbild in der Medizin BPS (benignes Prostata-Syndrom) bzw. LUTS (lower urinary tract symptoms).
Häufigkeit
Die BPH ist eine der häufigsten Organveränderungen bei Männern und typischerweise ein Leiden des höheren Lebensalters. BPH tritt bei mehr als 50% aller Männer über 50 Jahren auf.
Symptomatik (Beschwerden)
Die Männer mit BPH leiden unter typischen Reizbeschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen, häufigem nächtlichem sowie plötzlich auftretendem Harndrang sowie unter Blasenentleerungsstörungen, wie erschwertes, lang andauerndes und durch Bauchpresse unterstütztes Wasserlassen. Die betroffenen Männer berichten über einen verzögerten Miktionsbeginn, einen schwachen, häufig unterbrochenen Harnstrahl und eine verlängerte Miktionszeit. Am Anfang der Krankheit kommt es zu einer Einschränkung der Lebensqualität, im weiteren Verlauf kann eine unbehandelte BPH dann zu Harnverhalt (fehlende spontane Entleerung der gefüllten Harnblase) und Aufstau des Urinabflusses und damit verbundenen Schädigungen bzw. später Versagen der Nieren.
Stellenwert der Prostataembolisation
Die Prostata-Embolisation (PAE) stellt mittlerweile eine Alternative zu den weiteren bekannten Therapieoptionen wie die medikamentöse Therapie bzw. die Resektion (TUR-Prostata) oder die Chirurgie.
Als Vorteile der Prostata-Embolisation sind zu nennen
* Kein operativer Eingriff,
* keine Allgemeinnarkose,
* kurzer stationärer Aufenthalt,
* geringeres Risiko als bei einer Operation,
* keine Blutung bzw. Nachblutung über die Harnwege,
* kein Risiko einer Inkontinenz.
In den Wochen bzw. Monaten nach der Embolisation schrumpft die Prostata langsam als Folge der verminderten Blutungsversorgung. Die klinische Verbesserung kann der Patient frühestens ab einer Woche nach der Embolisation spüren.
Patientenvorbereitung zur Prostataembolisation
Es wird zusammen mit dem behandelnden Urologen über das Absetzen bzw. Umstellung der Prostata-Medikationen entschieden.
Als Prophylaxe vor der Embolisation sollte ein Antibiotikum z. B. Ciprofloxacin 500mg einmal täglich beginnend 2 Tage vor der Embolisation und 10 Tage danach eingenommen werden.
Entzündungshemmende Medikationen wie z. B. Ibuprofen 400 mg (dreimal täglich) mit Magenschutz wie z. B. Pantozol sollen beginnend 2 Tage vor der Embolisation und 10 Tage danach eingenommen werden.
Eine MRT-Untersuchung der Prostata vor Embolisation sowie die Bestimmung des Gerinnungsstatus sowie der Nierenfunktion im Labor sind vor der Embolisation erforderlich.
Direkt vor dem Beginn mit der Embolisation wird ein Blasenkatheter gelegt.
Durchführung des Eingriffs
Unter örtlicher Betäubung wird ein Zugang in die rechte oder linke Leistenarterie gelegt, wodurch ein Katheter unter Röntgendurchleuchtung in die Arterien eingeführt und sukszessive bis in die Prostataarterie vorgeschoben wird.
Mit Hilfe einer modernen Lokalisationstechnik (Dyna-CT) wird nach Kontrastmittelgabe zuerst über die innere Beckenader (Arterie iliaca interna) ein Führungskatheter Richtung Prostataarterie vorgeführt. Über diesen Katheter wird die Prostata mittels eines dünneren Katheters erreicht, hierbei ist wichtig, dass nur die Prostata embolisiert bzw. behandelt wird und die benachbarten Organe, vor allem der Mastdarm (Rektum) geschont werden. Danach werden Kunststoffpartikel mit einer Größe von 0,3 bis 0,5 mm über den schon liegenden dünnen Katheter in die Prostataarterie eingebracht (Embolisation), wodurch die versorgenden Arterien verschlossen werden. Diese Partikel werden solange eingebracht bis der Blutfluss zum Stehen kommt. In den meisten Fällen werden beide Seiten über den gleichen Zugang behandelt, sodass keine zweite Punktion der Leistenarterien notwendig wird. Am Abschluss der Embolisation werden die Katheter entfernt und die Leistenarterie wird durch den Untersucher abgedruckt, bis die Einstichstelle abgedichtet ist. Danach wird einen Druckverband über mehrere Stunden angelegt. Eine Bettruhe ist dann über mehrere Stunden einzuhalten. Aufgrund der schwierigen Sondierung der zuführenden Arterie sowie die Notwendigkeit zu langsamer und vorsichtiger Gabe der Partikel kann der Eingriff bis zu 3 Stunden dauern.
Ausschlusskriterien zur Prostataembolisation
Hier unterscheidet man zwischen absoluten und relativen Kriterien.
Absolute Ausschlusskriterien sind
* bösartiger Prostatatumor (Prostatakarzinom),
* Blasendivertikel,
* akute Harnweginfektion,
* nicht korrigierbarer Gerinnungsstatus.
Relative Ausschlusskriterien sind
* dauerhafte Nierenfunktionsschwäche (chron. Niereninsuffizienz)
* stark geschlängelte bzw. verkalkte und eingeengte zuführende Arterien
Seit wann existiert die Embolisationsbehandlung?
Die ersten Erfahrungen mit der Prostata-Embolisation stammen aus Brasilien (University of Sao Paulo Medical School). Dort hat man vor mehreren Jahren den ersten Patienten behandelt und aus diesem Zentrum stammen die meisten Berichte über das neue Verfahren.
Ergebnisse
Die Gruppe von Alberto Antunes University of Sao Paulo Medical School berichtete über einen höhen technischen sowie klinischen Erfolg nach der Prostata-Embolisation:
* In 92 % konnte bds. in 7 % nur einseitig embolisiert werden. Nur bei 1 % der Fälle war die Emoblisation bds. nicht möglich.
* Es wurde bei 96 % aller mittels Emolisation behandelten Patienten eine klinische Verbesserung gemerkt.
* Eine Verbesserung der durch die vergrößerte Prostata eingeschränkten Lebensqualität wurde bei 96 % 3 Monate nach Prostata-Embolisation festgestellt.
Mögliche Risiken
Wie auch bei anderen vergleichbaren Eingriffen können bestimmte Komplikationen als Folge der Prostataembolisation auftreten, wie z. B.: Brennen beim Wasserlassen oder akute Blasenentleerungsstörung. Manche Patienten bemerken Blut im Urin (Hämaturie) bzw. in der
Samenflüssigkeit (Hematospermie) sowie analen Abgang von Blut (Rektorrhagie). Einige Patienten entwickeln Harnweginfektionen. Darüber hinaus können die Patienten ein sogenanntes Postembolisationssysndrom entwickeln: Schmerzen, Fieber, Schwächegefühl und Abgeschlagenheit. In einem ausführlichen Aufklärungsgespräch wird über die häufigen möglichen Komplikationen und ihre Wahrscheinlichkeit hingewiesen bzw. gesprochen.
Alternative Verfahren
Wie oben schon erwähnt stellt die Prostataembolisation (PAE) eine neue Alternative zu bestehenden und etablierten Verfahren, wie die konservative medikamentöse Therapie, die Resektion durch die Harnröhre (transurethrale Prostataresektion: TUR-Prostata) sowie die offen chirurgische Entfernung dar.